Backlinks aufbauen über redaktionelle Advertorials heißt, einen bezahlten Artikel auf einem etablierten Online-Medium zu platzieren, der presserechtlich sauber als Anzeige gekennzeichnet ist. Der eigentliche Effekt entsteht weniger durch den nackten Link als durch die Domain-Autorität und Markenerwähnung, die ein Advertorial mitbringt und die auch KI-Systeme wie ChatGPT als Quelle aufgreifen.
Für Sie als Marketing-Verantwortliche oder Agentur wird die Methode damit zu einem planbaren Baustein im Linkaufbau, der sich neben Gastbeiträgen und klassischer Digital PR behaupten kann. Anders als beim reinen Linkkauf bekommen Sie redaktionelle Qualitätssicherung, einen Kontext, in dem Leser und KI-Systeme die Marke gleichzeitig wahrnehmen, und eine Veröffentlichung, die presserechtlich Bestand hat.
Drei Dinge entscheiden dabei, ob aus einem Advertorial tatsächlich ein wirksamer Backlink wird:
- Die Domain-Autorität und thematische Relevanz des Mediums zählen für Rankings mehr als die reine Anzahl an Links.
- Google wertet rel=“sponsored“-Links seit 2019 nur als Hinweis für die Suchmaschine, ohne sie zwingend vom Ranking auszuschließen.
- Presserechtlich reicht der Begriff „Advertorial“ allein nicht aus, verlangt wird die klare Bezeichnung „Anzeige“ oder „Werbung“.
- Markenerwähnungen aus Advertorials korrelieren stärker mit KI-Zitaten in ChatGPT und Google AI Overviews als reine Backlinks.
Was macht Backlinks aus redaktionellen Advertorials so wirksam?
Ein Advertorial-Backlink wirkt, weil er zwei Signale gleichzeitig liefert: einen Link von einer Domain mit echter Autorität und eine Markenerwähnung im redaktionellen Umfeld eines Mediums, dem Leser und Suchmaschinen bereits vertrauen. Studien zur Korrelation zwischen Backlinks und Rankings schwanken je nach Erhebung zwischen schwachen 0,10 und moderaten 0,33. Ein Beweis für einen direkten kausalen Zusammenhang ist das nicht, aber ein deutliches Indiz dafür, dass die Qualität der verlinkenden Seite über die reine Linkmenge entscheidet.
Damit unterscheidet sich das Advertorial von anderen Methoden im Linkaufbau. Ein Gastartikel läuft meist ohne Werbekennzeichnung und wirkt dadurch wie ein originärer Redaktionsbeitrag, während klassischer Linkkauf ohne redaktionelle Einbindung schneller als Spam-Signal auffällt. Das Advertorial positioniert sich dazwischen: bezahlt und transparent gekennzeichnet, inhaltlich aber auf dem Qualitätsniveau eines echten Redaktionsartikels produziert. Wer sich einen Überblick über Formate, Kosten und Ablauf verschaffen will, findet die Grundlagen im Advertorial-Ratgeber.
Ein Hinweis zur Einordnung gehört an dieser Stelle dazu: Belastbare, unabhängige Fallstudien zu konkreten Ranking-Effekten einzelner Advertorial-Kampagnen sind rar. Die meisten Prozessbeschreibungen stammen von Anbietern selbst, weshalb sich die Wirkung eher aus Korrelationsdaten und Mechanismus-Logik ableiten lässt als aus einzelnen belegten Vorher-Nachher-Zahlen.
Wie läuft der Ablauf eines Advertorials vom Themenpitch bis zur Veröffentlichung ab?
Der Ablauf eines Advertorials bei einem Premium-Publisher ist ein mehrstufiger, redaktionell begleiteter Prozess und kein einfacher Anzeigenkauf. Genau diese Begleitung unterscheidet ihn von Formaten, bei denen Sie lediglich eine Anzeigenfläche buchen.
Bevor der Text überhaupt entsteht, müssen Sie ein Medium finden, das inhaltlich zu Ihrer Zielgruppe und Ihrem Thema passt, denn Relevanz zählt für den späteren SEO-Effekt mehr als reine Reichweite. Danach folgen fünf Schritte, die sich bei den meisten Tier-1- und Fachmedien in ähnlicher Form wiederholen:
- Medienauswahl: Sie wählen ein Portal, dessen Leserschaft und Themenwelt zum eigenen Angebot passt.
- Themenentwicklung: Sie entwickeln einen Aufhänger, der im Ton der jeweiligen Redaktion funktioniert.
- Texterstellung im Publisher-Stil: Der Text entsteht in der Sprache und Struktur des jeweiligen Mediums, in redaktionellem Ton verfasst.
- Redaktionelle Freigabe: Die Redaktion prüft den Entwurf und schickt werblich klingende Passagen zur Überarbeitung zurück.
- Veröffentlichung mit Link-Kennzeichnung: Der Backlink erhält rel=“sponsored“ und die Seite eine sichtbare Anzeigenkennzeichnung.
Faustregel für die Medienauswahl: Die thematische Passung zur Zielgruppe zählt stärker als die reine Reichweite des Portals. Ein Fachmedium mit 20.000 topikrelevanten Lesern liefert oft einen wirksameren Link als ein reichweitenstarkes Portal ohne inhaltlichen Bezug.
Auf der eigenen Advertorial-Servicepage nennt Handelsblatt selbst als Kriterium, dass werblich klingende Texte mit unbelegten Superlativen zur Überarbeitung zurückgehen, bevor sie live gehen. Wer diesen Filter von Anfang an mitdenkt, spart sich Korrekturschleifen und kommt schneller zu einem Link, der auch presserechtlich hält.
Welche Kennzeichnung macht einen Advertorial-Backlink rechtssicher?
Ein Advertorial-Backlink braucht zwei Kennzeichnungen gleichzeitig: eine technische für Google und eine presserechtliche für Leser und Aufsichtsbehörden. Fehlt eine der beiden, ist der Link angreifbar, selbst wenn der Rest der Kampagne einwandfrei läuft.
Auf der technischen Seite verlangt Googles eigene Dokumentation zu Linkattributen, dass bezahlte Links das Attribut rel=“sponsored“ tragen, alternativ akzeptiert Google auch rel=“nofollow“. Setzen Sie einen klar erkennbar bezahlten Link ohne diese Kennzeichnung als gewöhnlichen Dofollow-Link, verstößt das gegen Googles Richtlinien zu Link-Schemes und kann eine manuelle Abstrafung auslösen, die den gesamten Linkwert Ihrer Domain betrifft.
Kurz erklärt: rel=“sponsored“ markiert bezahlte Links, rel=“ugc“ kennzeichnet nutzergenerierte Inhalte wie Kommentare, und rel=“nofollow“ signalisiert generell keine Empfehlung. Seit September 2019 wertet Google alle drei Attribute als Hinweis (Hint) für Crawling und Ranking, den die Suchmaschine je nach Kontext unterschiedlich stark berücksichtigt.
Presserechtlich reicht die technische Kennzeichnung allein nicht aus. In Deutschland gilt das Trennungsgebot aus UWG, Landespressegesetzen und Medienstaatsvertrag: Werbung muss klar vom redaktionellen Inhalt getrennt und für Leser erkennbar gekennzeichnet sein. Der Deutsche Presserat stuft Begriffe wie „Advertorial“ oder „Sponsored Post“ presseethisch nicht als ausreichende Kennzeichnung ein und empfiehlt stattdessen die eindeutigen Bezeichnungen „Anzeige“ oder „Werbung“, gut lesbar oberhalb des Beitrags platziert.
Bußgeld-Risiko: Verstöße gegen das Trennungsgebot können Landesmedienanstalten mit Bußgeldern zwischen 5.000 Euro und mehreren hunderttausend Euro belegen. Bei Print- und Online-Medien wurden bereits Bußgelder zwischen 15.000 Euro und 50.000 Euro wegen verschleierter Advertorials verhängt.
Wie stark wirkt ein rel=“sponsored“-Link noch fürs SEO-Ranking?
Ein sauber gekennzeichneter Advertorial-Link gibt keine Linkkraft eins zu eins weiter, trägt aber trotzdem zum Ranking bei, weil er Traffic, Markenerwähnungen und thematische Relevanz auf eine autoritative Domain zieht. Genau diese Nebenwirkungen zählen für Google inzwischen mehr als der isolierte Linkwert.
Praktisch bedeutet das: Ein gekennzeichneter Advertorial-Link kann weiterhin linkjuice-ähnliche Effekte entfalten, wenn Relevanz und Autorität der Zielseite stark genug sind, nur eben ohne Garantie.
Häufiger Fehler: Advertorial-Links werden aus Angst vor Wirkungsverlust ohne Kennzeichnung als Dofollow gesetzt. Fällt das auf, kann eine manuelle Google-Maßnahme den gesamten Linkprofil-Wert der Domain beschädigen, weit über den einzelnen Advertorial-Link hinaus.
Für die reine Ranking-Wirkung bleibt das Fazit nüchtern: Ein einzelner Advertorial-Link verändert selten allein die Position, stärkt aber das Gesamtbild aus Relevanz, Autorität und Markenpräsenz, das Google und mittlerweile auch KI-Systeme auswerten.
Warum zitieren KI-Systeme Advertorials trotz Kennzeichnung als neutrale Quelle?
ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews übernehmen die Werbekennzeichnung eines Advertorials in aller Regel nicht in ihre Antwort, auch wenn die Ursprungsseite deutlich „Anzeige“ markiert ist. Für den Leser der KI-Antwort wirkt die zitierte Quelle dadurch wie eine gewöhnliche redaktionelle Empfehlung.
Genau das zeigt eine DataPulse-Untersuchung von rund 7.000 Vergleichsanfragen und über 130.000 zitierten URLs aus dem April 2026: Etwa 29 Prozent aller deutschsprachigen KI-Quellenverweise führen zu Seiten mit sichtbarer Werbe- oder Affiliate-Kennzeichnung, die in der KI-Antwort selbst nicht auftaucht. Bei Produktanfragen enthalten laut derselben Studie 98,9 Prozent aller Antworten mindestens eine kommerziell gekennzeichnete Quelle. Ein Beispiel aus der Studie: Ein mit „Anzeige“ markiertes Focus.de-Advertorial wurde von ChatGPT, Google AI Overview und Perplexity zitiert, ohne dass die Kennzeichnung in der Antwort erschien.
Diese Zitierpraxis passt zu einer zweiten Beobachtung: Externe Validierung wiegt für die KI-Sichtbarkeit einer Marke schwer. Laut einer Analyse von rund 2.000 täglich abgefragten Prompts entfallen 66,2 Prozent aller von KI-Systemen zitierten Quellen auf Corporate Content der Marke selbst. Den Rest teilen sich externe Quellentypen auf:
- Fachpresse: 7,4 Prozent der zitierten Quellen stammen aus redaktionellen Fachmedien.
- Nutzerinhalte: 6,4 Prozent entfallen auf User-generated Content.
- Review-Seiten: 5,4 Prozent kommen von Bewertungsplattformen.
- News: 5,2 Prozent stammen aus klassischen Nachrichtenquellen.
Gerade diese externe Validierung liefert ein Advertorial automatisch mit, weil der Artikel auf einer Fachpresse- oder News-Domain erscheint. blinq-Gründer Julian Gottke beschreibt solche Erwähnungen als Vertrauensbeleg, den die eigene Website allein nicht liefern kann. Im News-Segment ist „Die Welt“ mit 17 Prozent die meistzitierte deutsche Quelle, vor Handelsblatt mit 12,2 Prozent und Chip mit 8,9 Prozent.
Die stärkste Einzelzahl für die GEO-Wirkung von Advertorials kommt aus einer Studie zu Markenerwähnungen. Eine Ahrefs-Analyse von 75.000 Marken zeigt eine Korrelation von 0,664 zwischen Markenerwähnungen im Web und KI-Sichtbarkeit in Google AI Overviews, während reine Backlink-Anzahl nur auf 0,218 kommt. Auch markenbezogene Ankertexte liegen mit 0,527 deutlich vor klassischen Backlink-Metriken. Marken im obersten Quartil der Web-Erwähnungen erzielen im Schnitt 169 Nennungen in Google AI Overviews, mehr als zehnmal so viele wie das nächstniedrigere Quartil mit 14 Nennungen, während rund 26 Prozent aller untersuchten Marken komplett ohne KI-Erwähnung bleiben.
Wichtige Einordnung: Ahrefs weist selbst darauf hin, dass die gemessenen Korrelationen keinen Beweis für Kausalität liefern. Ein Advertorial erzeugt zwar nachweislich Markenerwähnung und Backlink zugleich, wie stark das allein die KI-Zitierfähigkeit einer Marke verändert, ist damit noch nicht belegt.
Ein Advertorial trifft genau diesen Hebel doppelt: Es erzeugt einen Backlink und, weil der Markenname redaktionell im Fließtext auftaucht, gleichzeitig eine Markenerwähnung im journalistischen Kontext. Für Marketing-Verantwortliche lohnt sich deshalb der Blick über den einzelnen Link hinaus, hin zur eigenen KI-Zitierfähigkeit auf redaktionellen Medienpartnern. Wer diesen Effekt strategisch ausbauen will, findet im GEO-Agentur-Guide weiterführende Ansätze zur KI-Sichtbarkeit.
Backlink und Markenerwähnung wachsen aus derselben Quelle
Was SEO-Wirkung und KI-Zitierfähigkeit bei Advertorials verbindet, ist derselbe Mechanismus: Die Domain-Autorität und die redaktionelle Einbettung, die einen Backlink für Google glaubwürdig machen, sind genau die Signale, die auch KI-Systeme als externe Validierung werten. Wer ein Advertorial nur als Linkquelle bucht, lässt einen Teil der eigentlichen Wirkung ungenutzt liegen.
Praktisch heißt das für die nächste Kampagne: Wählen Sie das Medium nach thematischer Passung, klären Sie Kennzeichnung nach Google-Vorgabe und Presserecht gleichzeitig, und achten Sie beim Texten darauf, dass der Markenname redaktionell natürlich im Fließtext auftaucht, nicht nur im Link selbst. Genau diese Kombination entscheidet, ob aus einem einzelnen Advertorial ein Baustein wird, der sowohl im Google-Ranking als auch in der nächsten ChatGPT-Antwort sichtbar bleibt.
Zählt ein Advertorial-Backlink mit rel=“sponsored“ überhaupt noch für SEO?
Ja, auch ein als rel=“sponsored“ gekennzeichneter Link trägt zum SEO-Effekt bei, auch wenn er keine Linkkraft im klassischen Sinn weitergibt. Google wertet das Attribut seit 2019 nur als Hinweis und kann den Link trotzdem für Ranking oder Crawling berücksichtigen. Traffic und Markenerwähnung wirken davon unabhängig zusätzlich.
Wie viele Advertorial-Backlinks brauchen Sie für einen sichtbaren SEO-Effekt?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht, weil Domain-Autorität und thematische Relevanz stärker wirken als die reine Anzahl an Links. Ein einzelner Advertorial-Link auf einem autoritativen Tier-1-Medium kann mehr bewegen als mehrere Links auf themenfremden Kleinseiten. Wichtiger als die Menge ist deshalb die Auswahl passender Medien über mehrere Kampagnen hinweg.
Reicht die Bezeichnung „Advertorial“ als Kennzeichnung aus?
Nein, presserechtlich reicht der Begriff „Advertorial“ allein nicht aus. Der Deutsche Presserat empfiehlt ausdrücklich die Bezeichnungen „Anzeige“ oder „Werbung“, gut lesbar oberhalb des Beitrags platziert. Zusätzlich braucht der Backlink selbst das Google-Attribut rel=“sponsored“, damit beide Kennzeichnungsebenen erfüllt sind.
Was passiert, wenn ein Publisher den Advertorial-Text redaktionell ablehnt?
Dann geht der Text zur Überarbeitung zurück, meist weil werbliche Formulierungen oder unbelegte Superlative enthalten sind. Publisher wie Handelsblatt beschreiben diesen Filter selbst als festen Bestandteil ihres Freigabeprozesses. Wer den Ton der Redaktion von Anfang an trifft, kommt schneller durch diese Prüfung.
Wirkt ein Advertorial auch ohne dofollow-Link für die KI-Sichtbarkeit einer Marke?
Ja, weil Markenerwähnungen im Fließtext stärker mit KI-Zitaten korrelieren als reine Backlinks. Selbst ein Advertorial mit nofollow-Link liefert damit noch eine Markenerwähnung im redaktionellen Kontext, die für ChatGPT oder Google AI Overviews als Vertrauenssignal zählt. Für die klassische SEO-Wirkung bleibt ein technisch korrekt gesetzter Link trotzdem sinnvoll.
CEO & Gründer – Wordsmattr GmbH
Lukas Gehrer ist Gründer und CEO der Advertorial-Agentur Wordsmattr.io und Experte für Advertorials & Content Marketing. Über seine Erfahrung rundum Marketing, KI & Online Sichtbarkeit berichteten bereits die FAZ, DerStandard, Basicthinking, ITdaily, HORIZONT und viele weitere Medien. 2014 als Journalist und Podcaster gestartet, schreibt er heute noch immer als Gastautor, etwa für ZDNet oder World4You.

