Ein Advertorial ist ein bezahlter Beitrag, der im Look eines redaktionellen Artikels in einem fremden Medium erscheint und klar als Werbung gekennzeichnet sein muss. Sie bestimmen die Botschaft, das Medium liefert Reichweite und ein vertrauenswürdiges Umfeld. Diese Mischung macht das Format für Produktlaunches und Trustbuilding interessant.
- Ein Advertorial ist bezahlt und gekennzeichnet, PR nicht; vom Native Ad trennt es der vollständige Artikel.
- Als Kennzeichnung genügen laut Pressekodex Ziffer 7 nur „Anzeige“ oder „Werbung“, „Sponsored“ oder „Partnerinhalt“ reichen nicht.
- Ohne Kennzeichnung drohen Vertragsstrafen von meist 5.000 bis 10.000 Euro pro Verstoß und Bußgelder nach § 115 MStV.
- Budgets reichen von 1.000 Euro regional bis 80.000 Euro im Leitmedien-Print, die Umsetzung dauert zwei bis vier Wochen.
Advertorial vs. Native Ad vs. PR: Wo verläuft die Grenze?
Ein Advertorial ist ein bezahlter Artikel, den Sie als Werbekunde inhaltlich steuern und der im redaktionellen Umfeld eines Mediums erscheint. Die Kennzeichnung als Anzeige gehört fest zum Format, und an ihr trennt es sich am deutlichsten von PR und Content Marketing. Für die Abgrenzung im Pitch reicht diese Übersicht:
| Kriterium | Advertorial | Native Ad | Klassische PR & Content Marketing |
|---|---|---|---|
| Bezahlung | Ja, Sie buchen die Platzierung im Medium | Ja, häufig nach Einblendungen oder Klicks abgerechnet | PR: keine Zahlung an das Medium. Content Marketing: eigene Produktionskosten auf eigenen Kanälen |
| Redaktionelle Kontrolle | Sie bestimmen Inhalt und Botschaft, der Verlag prüft die Einhaltung seiner Standards | Sie gestalten Teaser und Bild, das Format gibt das Medium vor | PR: Die Redaktion entscheidet, ob und wie sie berichtet. Content Marketing: volle eigene Kontrolle |
| Kennzeichnungspflicht | Ja, „Anzeige“ oder „Werbung“ vor dem Titel | Ja, als Werbung erkennbar, in der Praxis oft nur dezent markiert | PR: nein, die Berichterstattung ist redaktionell unabhängig. Content Marketing: nein, der Absender ist auf eigenen Kanälen erkennbar |
| Typisches Ziel | Botschaft im glaubwürdigen Umfeld, Produktlaunch, Vertrauensaufbau | Klicks auf ein Advertorial oder eine Landingpage | PR: Glaubwürdigkeit durch unabhängige Berichte. Content Marketing: langfristige Sichtbarkeit eigener Kanäle |
In der Praxis greifen die Formate oft ineinander. Ein Native Ad ist meist ein Teaser im Look der umliegenden Artikelvorschauen. Er führt Leser auf Ihr Advertorial oder direkt auf Ihre Landingpage. Viele Kampagnen kombinieren deshalb beides: Das Advertorial liefert die Argumente, der Teaser bringt die Leser. In der Schweiz heißt dasselbe Format übrigens meist Publireportage.
Wie kennzeichnen Sie ein Advertorial rechtssicher?
Rechtssicher ist ein Advertorial, wenn über dem Titel gut sichtbar „Anzeige“ oder „Werbung“ steht. Begriffe wie „Advertorial“, „Sponsored“, „Partnerinhalt“ oder „In Kooperation mit“ gelten presseethisch als unzureichend, weil sie den kommerziellen Charakter für Leser nicht eindeutig machen.
Drei Regelwerke greifen parallel. Maßgeblich ist jeweils die strengste Anforderung:
- Das UWG verbietet in § 5a Abs. 4, den kommerziellen Zweck zu verschleiern.
- § 22 Medienstaatsvertrag verlangt, dass Werbung klar erkennbar und vom redaktionellen Inhalt unterscheidbar ist. Schleichwerbung ist unzulässig.
- Der Deutsche Presserat erkennt in Ziffer 7 des Pressekodex ausschließlich „Anzeige“ und „Werbung“ als Kennzeichnung an.
Nach Nr. 11 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG sind vom Unternehmen finanzierte redaktionelle Inhalte ohne eindeutige Kennzeichnung sogar per se unzulässig, unabhängig vom Einzelfall. Die Rechtsprechung hat den Rahmen zuletzt enger gezogen, und das betrifft auch Konstellationen ohne direkte Geldzahlung.
Wissenswert: Der BGH konkretisierte 2021 die Kennzeichnungspflicht für Beiträge mit Gegenleistung; auch kostenlos überlassene Produkte zählen. Seit der UWG-Novelle 2022 wird die Gegenleistung gesetzlich vermutet: Der Werbende muss beweisen, dass keine geflossen ist.
In der Umsetzung kommt es auf vier Punkte an:
- Verwenden Sie ausschließlich die deutschen Begriffe „Anzeige“ oder „Werbung“.
- Setzen Sie die Kennzeichnung vor oder über den Titel, ein Hinweis am Artikelende genügt nicht.
- Gestalten Sie den Hinweis gut sichtbar und kontrastreich, sodass er beim ersten Blick auffällt.
- Heben Sie den Beitrag optisch vom redaktionellen Layout ab und markieren Sie auch Teaser, die auf das Advertorial führen.
Was droht bei fehlender oder falscher Kennzeichnung?
Bei fehlender Kennzeichnung drohen zwei Verfahren gleichzeitig: eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung und ein medienrechtliches Bußgeld der Landesmedienanstalten. Beide Schienen laufen unabhängig voneinander, ein einziger Verstoß kann also doppelt kosten.
Wettbewerbsrechtlich beginnt es meist mit einer Abmahnung samt Unterlassungserklärung. Die Abmahnkosten liegen bei Streitwerten von 15.000 bis 50.000 Euro üblicherweise bei 1.000 bis 3.000 Euro. Teuer wird es danach: Vertragsstrafen aus der Unterlassungserklärung bewegen sich in der Praxis meist zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Verstoß, bei Wiederholungen entstehen schnell sechsstellige Forderungen. Medienrechtlich sieht § 115 MStV Bußgelder bis 500.000 Euro vor. Das ist der Höchstrahmen, dokumentierte Fälle liegen bislang deutlich darunter.
Ein realer Fall vor dem Landgericht München I aus 2012: Ein Unternehmen hatte einen Beitrag mit neutraler Überschrift im Layout des redaktionellen Teils nur als „Promotion“ markiert. Das Gericht wertete das als kerngleichen Verstoß gegen eine zuvor abgegebene Unterlassungserklärung und hielt die Vertragsstrafe von 5.100 Euro für angemessen.
Die Verantwortung bleibt auch dann bei Ihnen, wenn eine Agentur das Advertorial umsetzt.
Kurz erklärt: Beauftragtenhaftung nach § 8 Abs. 2 UWG: Unternehmen haften für Kennzeichnungsfehler ihrer Agenturen oder Creator. Freistellungsklauseln im Vertrag regeln nur, wer intern zahlt. Gegenüber Abmahnern haften Sie trotzdem.
Lassen Sie sich deshalb vor dem Livegang die finale Ansicht mit Kennzeichnung zeigen. Bei unseren Platzierungen prüfen wir genau das vor jeder Veröffentlichung mit.
Lohnt sich ein Advertorial für Ihren Case?
Ein Advertorial lohnt sich, wenn Sie eine klare Botschaft im Umfeld eines glaubwürdigen Mediums platzieren wollen, etwa einen Produktlaunch oder den Vertrauensaufbau in einem erklärungsbedürftigen Markt. Für reine Abverkaufskampagnen mit hartem Kosten-pro-Kauf-Ziel sind klassische Performance-Ads meist effizienter.
| Wenn Ihr Ziel ist … | … dann passt |
|---|---|
| ein neues Produkt oder eine Dienstleistung ausführlich vorzustellen | ein Advertorial, weil Sie Ihre Botschaft ohne redaktionelle Einschränkungen erzählen |
| Vertrauen und einen „Bekannt aus“-Effekt aufzubauen | ein Advertorial auf einem bekannten Medium, auf das Sie danach mit „Bekannt aus“ verweisen |
| Leads zu generieren | ein Advertorial auf einem reichweitenstarken Medium mit garantierter Reichweite und Reporting |
| möglichst viele Menschen schnell zu erreichen | eher eine redaktionell beworbene Verlosung als ein Advertorial |
| in KI-Suchen mit einem konkreten Produkt aufzutauchen | eher ein redaktioneller Testbericht, den KI-Suchen nach unserer Erfahrung deutlich höher gewichten als Werbetexte |
| kurzfristig Abverkäufe zu einem festen Kosten-pro-Kauf zu erzielen | eher Performance-Ads, das Advertorial ist hier selten erste Wahl |
Der häufigste Fehlgriff passiert vor der Buchung: Ein einziges Placement soll Bekanntheit, Leads und Rankings auf einmal liefern. All-in-one-Platzierungen gibt es nicht. Legen Sie ein Hauptziel fest und messen Sie das Advertorial daran.
In der Konzeption tauchen zwei Klassiker auf. Der Text klingt wie ein Prospekt und verliert Leser nach dem ersten Absatz. Oder das Medium hat zwar große Reichweite, erreicht aber Ihre Zielgruppe kaum. Beides lösen Sie im Briefing: mit einem echten Leser-Nutzen als Aufhänger und einer Medienauswahl nach Zielgruppe.
Budget und Ablauf: Was kostet ein Advertorial und wie läuft die Buchung?
Ein Advertorial kostet in Deutschland grob 1.000 bis 80.000 Euro, abhängig vor allem vom Mediensegment. Die Buchung über eine Vollservice-Agentur dauert meist zwei bis vier Wochen.
| Mediensegment | Typische Spanne | Gut geeignet für |
|---|---|---|
| Regionale Online-Medien | rund 1.000 bis 3.000 € | lokale Zielgruppen, erste Tests |
| Fachmedien (Print und Online) | 3.500 bis 8.000 € | B2B-Themen, Branchenentscheider |
| Nationale Leitmedien online | 15.000 bis 30.000 € | bundesweite Reichweite, Vertrauensaufbau |
| Leitmedien Print (vierfarbig) | 20.000 bis 80.000 € | Image-Kampagnen mit großem Budget |
Für die meisten Erstkampagnen im Mittelstand liegt das realistische Feld zwischen Fachmedien und dem Einstieg in nationale Online-Medien. Ein Beispiel aus dem Fachverlagsbereich: Bei Vincentz Network kostet ein vierwöchiges digitales Advertorial inklusive Newsletter-Platzierung und Skyscraper-Banner 9.915 Euro zuzüglich MwSt. Bei großen Namen wie Spiegel oder Zeit starten Online-Advertorials im Direktkauf bei rund 15.000 beziehungsweise 30.000 Euro. Feste Preise nennen die Verlage meist erst auf Anfrage.
Was den Preis treibt: Neben Reichweite zählt die Produktionstiefe: Full-Service-Texte kosten zwei bis drei mal mehr als Self-Service. Homepage-Integration oder Newsletter-Einbindung kosten 20–50 Prozent Aufschlag. Hinzu kommt, ob der Beitrag befristet oder dauerhaft online bleibt.
Sie können Advertorials auf über 475 Online- und Print-Medien im DACH-Raum auch über uns bei Wordsmattr buchen. Den Einstieg bildet bei uns das PR-Advertorial ab 1.500 Euro, Platzierungen auf Tier-1-Medien mit Traffic-Zufuhr und Reporting starten ab 9.000 Euro. Der Ablauf sieht typischerweise so aus:
- Kostenloses Erstgespräch zu Ziel, Zielgruppe und Budget, mit Publisher-Empfehlung und Themenvorschlag.
- Briefing und gemeinsame Themenentwicklung.
- Texterstellung durch Fachredakteure.
- Abstimmungsrunden mit Ihnen und dem Publisher.
- Veröffentlichung mit vertraglicher Garantie, danach Reporting zur Kampagne.
Ihr eigener Zeitaufwand liegt dabei bei rund zwei Stunden. Buchen Sie direkt beim Fachverlag, planen Sie etwa bei Vincentz rund vier Wochen Vorlauf mit Briefingtermin und zwei Korrekturschleifen ein. Ab dem dritten Korrekturlauf berechnet der Verlag eine Pauschale von 295 Euro.
Welche Advertorial-Formate und Erfolgskennzahlen gibt es?
Formate
Das Online-Advertorial auf Nachrichtenportalen und Magazinen ist der Standard, ergänzt durch Fachmedien-Advertorials für Branchenzielgruppen sowie Print-Advertorials und Beileger für Kampagnen, die auch haptisch wirken sollen. Bei Online Advertorials mit persönlicher Beratung wählen Sie zusätzlich, ob der Beitrag organisch über SEO gefunden wird oder garantierte Reichweite bekommt. Diese Reichweite entsteht über Teaser im Umfeld der Artikelvorschauen, Banner oder einen prominenten Platz auf der Startseite. Verwandte Formate im redaktionellen Umfeld sind gesponserte Interviews, Testberichte und Verlosungen.
Kennzahlen
Welche Kennzahl zählt, hängt vom gebuchten Produkt und Ihrem Hauptziel ab. Diese vier Bereiche decken die gängigen Ziele ab:
- Reichweite und Sichtbarkeit messen Sie über Seitenaufrufe, Teaser-Impressions und Verweildauer.
- Den Branding-Effekt zeigt die Entwicklung der Suchanfragen nach Ihrem Markennamen im Kampagnenzeitraum.
- Den SEO-Wert erkennen Sie am Backlink von starker Domain und den Rankings der verlinkten Seite.
- Leads und Conversions tracken Sie über UTM-Parameter bei Formaten mit garantierter Reichweite.
Die Kennzeichnung entscheidet über Wirkung und Risiko
Die eigentliche Weichenstellung fällt weniger bei Format oder Budget als bei der Kennzeichnungs-Disziplin ab dem ersten Entwurf. Ein sauber als „Anzeige“ markiertes Advertorial im passenden Medium baut Vertrauen auf, ein schlampig markiertes kostet Geld und Glaubwürdigkeit. Legen Sie vor dem Agenturgespräch fest, welches Ziel Vorrang hat: Vertrauen, Leads oder SEO. Damit grenzen Sie das passende Preissegment sofort ein, und das Erstgespräch dreht sich direkt um die richtigen Medien.
Häufige Fragen zum Advertorial
Wie lange bleibt ein Advertorial online?
Je nach Buchung befristet oder dauerhaft. Unsere PR-Advertorials laufen zwölf Monate oder unbegrenzt. Für SEO lohnt sich die dauerhafte Variante, weil Backlink und Markenerwähnung dann bestehen bleiben, die Laufzeit fließt allerdings in den Preis ein.
Was gehört ins Briefing für die Agentur?
Ihr Hauptziel, die Zielgruppe, eine klare Kernbotschaft, der Budgetrahmen, Wunsch- und Ausschlussmedien sowie das Linkziel. Damit schlägt die Agentur schon im Erstgespräch passende Medien vor, und der Text braucht weniger Korrekturschleifen.
Wie wirkt sich ein Advertorial auf das SEO-Ranking aus, wenn der Link als nofollow/sponsored gesetzt wird?
Indirekt und trotzdem spürbar. Google behandelt nofollow und sponsored als Hinweis, der Link überträgt also weniger direkte Linkkraft. Dafür bringt der Beitrag Markenerwähnungen auf einer starken Domain, Referral-Traffic und mehr Suchanfragen nach Ihrer Marke.
Kann ich ein Advertorial selbst texten oder übernimmt das die Agentur?
Ja, Sie können selbst texten, solange der Verlag den Text abnimmt. Bei einer Buchung über uns ist die Texterstellung durch Fachredakteure in der Regel inklusive. Das spart Abstimmungsrunden, weil der Text von Anfang an zu den Standards des Mediums passt.
Wie schnell zeigt ein Advertorial erste messbare Effekte?
Ab dem Veröffentlichungstag, sofern Sie Reichweite mitbuchen: Garantierter Traffic aus Teasern oder Startseiten-Platzierungen läuft sofort an. Effekte auf Markensuchen und organische Rankings brauchen typischerweise mehrere Wochen bis Monate.
CEO & Gründer – Wordsmattr GmbH
Lukas Gehrer ist Gründer und CEO der Advertorial-Agentur Wordsmattr.io und Experte für Advertorials & Content Marketing. Über seine Erfahrung rundum Marketing, KI & Online Sichtbarkeit berichteten bereits die FAZ, DerStandard, Basicthinking, ITdaily, HORIZONT und viele weitere Medien. 2014 als Journalist und Podcaster gestartet, schreibt er heute noch immer als Gastautor, etwa für ZDNet oder World4You.

