Eine Pressemitteilung steht oder fällt mit dem Aufbau, den eine Redaktion in Sekunden überblicken kann. Sie beginnt mit einer klaren Überschrift, beantwortet im Lead die wichtigsten W-Fragen und liefert danach nur noch die Details, die Redaktionen prüfen oder kürzen können. Am Ende stehen Unternehmenshintergrund und ein erreichbarer Pressekontakt.
Für Marketing-Manager funktioniert der Aufbau weniger als Schreibübung, sondern als Annahmefilter. Wenn die Nachricht zu spät kommt, der Beleg fehlt oder der Text nach Werbung klingt, scheitert die Mitteilung in vielen Fällen schon, bevor jemand den Hauptteil überhaupt liest.
Die folgenden Punkte zeigen, an welchen Stellen Marketing-Teams den größten Hebel haben, bevor der Versand startet:
- Setzen Sie die eigentliche Nachricht ganz nach oben, damit Redaktionen sofort erkennen, ob der Text für ihr Ressort relevant ist.
- Halten Sie die Mitteilung auf einer DIN-A4-Seite, außer ein Portal verlangt ausdrücklich mehr Text.
- Belegen Sie Zahlen, Produktversprechen und Zitate so sauber, dass eine Redaktion sie ohne Rückfrage prüfen kann.
- Wenn Sie Platzierungssicherheit oder Botschaftskontrolle brauchen, passt oft ein gekennzeichnetes Advertorial besser als eine Pressemitteilung.
Wie sieht der richtige Pressemitteilung-Aufbau aus?
Der klassische Aufbau folgt der umgekehrten Pyramide: Zuerst kommt die Nachricht, danach die Einordnung, ganz zum Schluss Hintergrund und Kontakt. Die Reihenfolge lautet Überschrift und Unterzeile, Lead, Hauptteil, Zitat, Abbinder und Pressekontakt.
Überschrift und Unterzeile entscheiden, ob die Redaktion überhaupt weiterliest. Der Lead nimmt der Redaktion danach die meiste Arbeit ab, indem er die W-Fragen in wenigen Sätzen abräumt. Im Hauptteil ordnen Sie die Nachricht ein, führen Belege aus und geben einem Zitat nur dann Platz, wenn es wirklich etwas erklärt, was ein normaler Absatz nicht leisten würde. Diese Sequenz empfiehlt auch die offizielle BMWK-Checkliste mit zehn Tipps, weil sich der Text dadurch von hinten kürzen lässt, ohne dass die Kernnachricht verloren geht.
Der Abbinder gehört ans Ende, damit er Kontext gibt, ohne die Nachricht zu verdrängen. Direkt danach braucht die Redaktion einen Pressekontakt mit Namen, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Für Österreich passt zusätzlich der Begriff Presseaussendung, der dort branchenüblich ist.
Wie lang darf eine Pressemitteilung sein?
Als sichere Praxis gilt eine Pressemitteilung mit höchstens einer DIN-A4-Seite. Der Lead bleibt besonders kurz, weil er die Nachricht tragen muss, ohne die Redaktion mit Details aufzuhalten.
Für die einzelnen Bausteine gibt es belastbare Richtwerte, die die IHK Reutlingen in ihrem Leitfaden zusammenführt. Die Überschrift bleibt kurz und konkret, die Unterzeile ergänzt nur, was der Titel nicht leisten kann.
| Baustein | Richtwert | Funktion |
|---|---|---|
| Überschrift | kurz, konkret, möglichst unter 80–110 Zeichen | Entscheidet über Weiterlesen |
| Unterzeile | ein Satz, ergänzend | Zweite Informationsschicht |
| Lead | maximal 200 Zeichen | W-Fragen, Kernaussage |
| Hauptteil | kürzbar, nicht überlang | Details, Zitate, Belege |
| Abbinder | kompakter Absatz | Wer spricht, warum relevant |
| Gesamttext | eine DIN-A4-Seite | Schnelle Erfassbarkeit |
Beim Haupttext zählt weniger die absolute Wortzahl als die Kürzbarkeit. Wenn ein Portal eine Mindestlänge verlangt, schreiben Sie nicht automatisch breiter, sondern liefern mehr prüfbare Details statt Adjektive.
Warum lehnen Redaktionen Pressemitteilungen ab?
Redaktionen lehnen Pressemitteilungen vor allem dann ab, wenn Thema, Medium und Publikum nicht zusammenpassen. Danach folgen Werbeton, fehlende Belege und formale Fehler. Eine Erhebung unter rund 3.000 Journalist:innen weltweit zeigt, dass 86 % unpassende Pitches sofort ablehnen, während 72 % Pressemitteilungen weiterhin als nützliche Ressource nennen.
Die härteste Prüfung passiert oft, bevor jemand den Volltext liest. Wenn die Mitteilung nicht zum Ressort passt, verliert sie sofort. Wenn der Einstieg keinen echten Nachrichtenwert zeigt, behandelt die Redaktion den Text wie Werbung und nicht wie ein Angebot für Berichterstattung.
Für den Vorabcheck hilft eine knappe Prüfliste, an der Sie jede Mitteilung vor dem Versand entlangführen können:
- Aktueller Anlass: Gibt es ein Ereignis, eine Zahl oder eine Entscheidung der letzten Wochen?
- Ein klares Thema: Trägt der Text eine Nachricht, nicht drei parallele Botschaften?
- Belegbare Aussagen: Lassen sich Zahlen, Zitate und Produktdaten ohne Rückruf prüfen?
- Rechte und Quellen: Sind Bildrechte, Quellenhinweise und Ansprechpartner mitgeliefert?
- Portalregeln: Stimmen Mindestlänge, Linkzahl und Pressekontakt mit den Vorgaben überein?
Wenn Sie nach diesem Schritt feststellen, dass die Distribution selbst noch unklar ist, finden Sie in unserem Leitfaden zum professionellen Versand an Redaktionen die passenden Routen, Listen und Portale.
Wie belegen Sie Aussagen in der Pressemitteilung?
Sie belegen Aussagen, indem Sie jede starke Behauptung auf eine Zahl, eine Quelle, ein Ereignis oder eine klar benannte Person zurückführen. Je weniger ein Satz nach Werbeversprechen klingt, desto leichter kann ihn eine Redaktion übernehmen.
Superlative wirken in einer Pressemitteilung selten stark, eher wie zusätzliche Arbeit für die Redaktion. Wer prüfen müsste, ob ein Unternehmen wirklich führend, einzigartig oder revolutionär ist, kürzt diese Stellen meistens heraus. Besser funktioniert ein Satz, der zeigt, was passiert ist, wann es passiert ist und woran sich die Aussage überprüfen lässt. Der Pressekodex fordert von Redaktionen Wahrheit und wahrhaftige Unterrichtung und zieht ausdrücklich eine Grenze zur Schleichwerbung bei Unternehmensveröffentlichungen, weshalb Ihre Mitteilung diesen Maßstab schon mitbringen sollte.
Notiz aus der Praxis: Ein gutes Zitat erklärt, warum die Nachricht wichtig ist, welche Entscheidung dahintersteht oder welche Folge Kundinnen und Kunden konkret bemerken. Ein Zitat, das den Pressetext-Lead in Anführungszeichen wiederholt, ist meistens das erste, was eine Redaktion streicht.
Wenn Bilder, Studien oder Produktdaten vorkommen, müssen Rechte und Herkunft so klar sein, dass niemand nachtelefonieren muss. Wer die Grenze zwischen Information und werblicher Botschaft im Detail nachvollziehen will, findet in unserem Beitrag zur Kennzeichnung redaktionell wirkender Werbeinhalte die rechtliche Linie für 2026.
Welche 2026-Beispiele zeigen guten Pressemitteilung-Aufbau?
Gute 2026-Beispiele zeigen, dass der Aufbau immer der Nachricht dient. Die stärksten Mitteilungen liefern Redaktionen sofort Zahlen, Anlass, Zitat und weiterführendes Material.
| Beispiel 2026 | Stärke im Aufbau | Was Sie übernehmen können |
|---|---|---|
| Bitkom | Marktzahlen direkt im Einstieg: ITK-Markt voraussichtlich +4,4 % auf 245,1 Mrd. Euro, Beschäftigung +11.000 auf 1,36 Mio. | Harte Kennzahl in Lead und Headline |
| DHL Group | Quartalszahlen, CEO-Zitat und PDF-Downloads sauber verzahnt | Bullet-Fakten plus Download-Material |
| Fraunhofer IKTS | Datum, Bildcredits, mehrere namentliche Stimmen, vollständiger Pressekontakt | Material so liefern, dass eine Redaktion nichts mehr nachfragen muss |
Sehen Sie diese Mitteilungen nicht als Muster zum Abschreiben. Sie zeigen, wie unterschiedliche Organisationen denselben Grundaufbau nutzen, obwohl Anlass, Tonalität und Material völlig verschieden sind.
Wie wird die Pressemitteilung KI-zitierfähig?
Eine Pressemitteilung wird zitierfähiger, wenn Menschen und Maschinen dieselben Kerninformationen leicht erkennen. Dazu gehören sichtbare Metadaten, klare Quellen und ein Text, der Fakten nicht hinter Werbesprache versteckt.
Im eigenen Newsroom braucht die Mitteilung eine eindeutige Überschrift, ein Veröffentlichungsdatum, einen Absender und ein passendes Bild mit Rechten. Strukturierte Daten zeichnen diese Angaben für Suchmaschinen sauber aus, ersetzen aber keinen Nachrichtenwert. Empfohlen für Article– oder NewsArticle-Markup sind die Properties author, datePublished, dateModified, headline und image.
Für KI-Antworten zählt zusätzlich, ob ein einzelner Satz allein verständlich bleibt. Eine Zahl mit Bezugsgröße, ein klarer Zeitraum und ein benannter Absender lassen sich leichter zitieren als ein allgemeines Versprechen. Diese Disziplin passt nahtlos zur redaktionellen Prüfung, weil dieselben Merkmale auch menschlichen Leser:innen Vertrauen geben.
Wann passt ein Advertorial besser als Pressemitteilung?
Ein Advertorial passt besser, wenn Sie Platzierung, Reichweite oder Botschaft stärker planen müssen. Eine Pressemitteilung passt, wenn Sie eine echte Nachricht anbieten und akzeptieren, dass Redaktionen frei entscheiden.
Die Grenze ist praktisch wichtiger, als viele Unternehmen denken. Eine Pressemitteilung kann aufgenommen, gekürzt oder ignoriert werden, weil sie ein redaktionelles Angebot ist. Ein Advertorial wird gebucht, geplant und nach den Regeln des Pressekodex zur Trennung von Werbung und Redaktion sichtbar gekennzeichnet, sobald der Inhalt werblich oder bezahlt im redaktionellen Umfeld erscheint.
Für die Entscheidung hilft eine einfache Frage: Trägt die Nachricht allein? Dann lohnt sich der Presseversand. Wenn Sie Zielmedium, Zeitpunkt, Sichtbarkeit und Formulierung absichern müssen, sollten Sie über eine bezahlte Platzierung nachdenken, etwa als redaktionell aufgemachten Presseartikel in einem definierten Umfeld. Wir bei Wordsmattr ordnen diese Abgrenzung aus beiden Perspektiven ein, weil wir seit 2012 mit Redaktionen, Verlagen und werblichen Platzierungen arbeiten und beide Mechaniken aus dem Tagesgeschäft kennen.
Pressemitteilung vor dem Versand
Der eigentliche Wert des Aufbaus zeigt sich nicht beim Schreiben, sondern beim Prüfen. Wenn der Text von hinten kürzbar bleibt, von vorne sofort verständlich ist und jede starke Aussage einen Beleg trägt, haben Sie die wichtigsten Hürden vor dem Versand schon abgeräumt.
Drei Punkte lohnt es sich, vor jedem Versand bewusst zu prüfen:
- Ein guter Aufbau spart Redaktionen Zeit, weil Nachricht, Beleg und Kontakt ohne Suche zu finden sind.
- Die beste Pressemitteilung ist nicht die lauteste, sondern die mit den wenigsten Rückfragen.
- Presseversand und Advertorial sind keine austauschbaren Formate, weil sie unterschiedliche Zusagen machen.
Prüfen Sie Ihre nächste Pressemitteilung einmal mit dem Blick einer Redaktion und einmal mit dem Blick eines Portalformulars. Danach entscheiden Sie, ob der Versand reicht oder ob ein bezahltes Format mit klarer Kennzeichnung Ihr Ziel zuverlässiger erreicht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Links darf eine Pressemitteilung in Presseportalen enthalten?
Zwei bis drei Links sind ein realistischer Korridor. Einzelne Portale setzen eigene Grenzen, deshalb sollten Sie die wichtigsten Links priorisieren und nicht versuchen, jede Landingpage unterzubringen. Wer mehr Links setzen will, riskiert formale Ablehnung oder Kürzung beim Veröffentlichungsprozess.
Muss eine Pressemitteilung Bilder enthalten?
Nein, Bilder sind nicht zwingend. Sie helfen aber, wenn Sie Rechte, Quelle und Bildunterschrift sauber mitliefern, weil Redaktionen das Material dann schneller prüfen und übernehmen können. Ohne klare Rechtelage ist ein Bild eher ein Hindernis als ein Vorteil.
Was gehört in den Abbinder einer Pressemitteilung?
In den Abbinder gehört ein kurzer Unternehmenshintergrund. Er erklärt, wer spricht, was das Unternehmen macht und warum es zur Nachricht passt. Der Abbinder darf dabei nicht in Werbesprache kippen, sonst verwandelt er die Mitteilung am Ende noch einmal in einen Werbetext.
Darf eine Pressemitteilung Produkte bewerben?
Ja, ein Produkt darf vorkommen, wenn die Mitteilung einen echten Nachrichtenanlass hat und die Aussagen belegbar bleiben. Wenn der Inhalt jedoch bezahlt oder klar werblich platziert wird, brauchen Sie eine saubere Trennung und Kennzeichnung als Anzeige oder Advertorial. Der Übergang ist im Detail rechtlich geregelt.
Welche W-Fragen gehören in den ersten Absatz?
Der erste Absatz klärt, wer etwas tut, was passiert, wann und wo es passiert und warum es relevant ist. Wenn das Wie für das Verständnis wichtig ist, gehört es ebenfalls in den Lead. Alles, was darüber hinausgeht, wandert in den Hauptteil und nicht in den Einstieg.
Wie aktuell muss eine Pressemitteilung für Portale sein?
Höchstens 30 Tage alt ist ein verbreiteter Richtwert in Portalvorgaben. Viele Portale erwarten einen aktuellen Anlass und lehnen sonst ab. Wenn die Nachricht älter ist, brauchen Sie einen neuen Aufhänger oder sollten ein anderes Content-Format wählen, das nicht an Nachrichtenwert gebunden ist.
Soll ich die Pressemitteilung als PDF oder im E-Mail-Text versenden?
Senden Sie den Text direkt im E-Mail-Body. Bilder und ergänzende Dateien können Sie anhängen oder verlinken, aber die Redaktion sollte die Nachricht nicht erst aus einem PDF herauskopieren müssen. Ein zusätzliches PDF als Layout-Version ist okay, ersetzt aber nie den lesbaren Text in der Mail.
CEO & Gründer – Wordsmattr GmbH
Lukas Gehrer ist Gründer und CEO der Advertorial-Agentur Wordsmattr.io und Experte für Advertorials & Content Marketing. Über seine Erfahrung rundum Marketing, KI & Online Sichtbarkeit berichteten bereits die FAZ, DerStandard, Basicthinking, ITdaily, HORIZONT und viele weitere Medien. 2014 als Journalist und Podcaster gestartet, schreibt er heute noch immer als Gastautor, etwa für ZDNet oder World4You.

