Der digitale Medienmarkt liebt derzeit das Drama. Reichweiten gehen runter, Algorithmen sind schuld, das Publikum angeblich launisch wie nie. Man hört viele Klagen – und wenig Klarheit. Umso erfrischender ist ein Blick auf jene Player, die sich davon nicht beeindrucken lassen. Die aktuelle Meedia-Analyse der Top-100-Onlinemedien zeigt nämlich auch: Wer strategisch denkt, wächst. Punkt.

Wir schreiben bewusst nur über die Gewinner. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Effizienzgründen. Denn wer heute noch Zeit darauf verwendet, Verlierer zu analysieren, übersieht das Wesentliche: Erfolg ist reproduzierbar. Und diese fünf Marken beweisen es.

Sport1: Aufmerksamkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Planung

Sport1 hat mit der Darts-WM keinen Glückstreffer gelandet, sondern ein Lehrstück abgeliefert. Ein Sport, den viele lange belächelt haben, wurde konsequent ins Zentrum gerückt. Das Ergebnis ist der größte Sprung im gesamten Ranking: Mit 32,00 Millionen Visits ging es hier im Vergleich zum November um satte 86,8 Prozent nach oben. Auch im langfristigen Jahresvergleich (Dez. 24 vs. Dez. 25) zeigt die Kurve steil nach oben: Hier verzeichnet Sport1 ein Plus von 7,78 Mio. Visits (+32,1 %).

Es wurde nicht einfach nur berichtet, es wurde inszeniert. Wiederkehrende Helden, klare Narrative, ein Event-Gefühl. Sport1 hat verstanden, dass Reichweite dann entsteht, wenn man ein Thema nicht klein denkt. Das absolute Plus von 14,87 Millionen Visits gegenüber dem Vormonat spricht eine deutliche Sprache: Nische wird Mainstream, wenn man sie mutig genug erzählt.

 

WELT: Haltung ist unbequem – und genau deshalb wirksam

Während viele Medien sich sprachlich weichspülen, wächst Welt gegen den Trend. Im harten 12-Monats-Vergleich verbesserte sich die Welt um 3,5 Prozent (+2,56 Mio. Visits) und sicherte sich zudem im Vergleich zum Vormonat November das deutlichste Plus aller Top-Ten-Websites.

Welt versucht nicht, allen zu gefallen. Sie versucht, relevant zu sein. Und ja, das polarisiert. Aber Polarisierung ist kein Bug, sondern ein Feature – solange sie aus Überzeugung kommt. In einer Branche, in der Austauschbarkeit das größte Risiko ist, wird Klarheit zur härtesten Währung.

 

Merkur.de: Lokal denken, systematisch skalieren

Merkur.de zeigt, wie erwachsen SEO aussehen kann, wenn man es ernst meint. Keine hektischen Keyword-Spielchen, sondern sauber recherchierte Themen mit klarer Verankerung. Die Strategie zahlt sich aus: Neben der Welt ist Merkur.de der einzige Top-Ten-Player, der im 12-Monats-Vergleich wachsen konnte – und zwar um starke 5,8 Prozent (+3,01 Mio. Visits).

Das Entscheidende: Diese Relevanz bleibt nicht klein. Sie wird strukturiert skaliert. Lokaljournalismus wird hier nicht verklärt, sondern professionalisiert. Das Ergebnis ist Wachstum, das nicht laut ist – aber nachhaltig.

 

Transfermarkt: Wer Nutzen liefert, wird unverzichtbar

Transfermarkt ist das Gegenteil von Content-Theater. Keine großen Worte, kein emotionales Dauerfeuer. Stattdessen: Daten, Struktur, Verlässlichkeit. Ein Produkt, das funktioniert – jeden Tag. Im Jahresvergleich zeigt sich die Macht der Community besonders deutlich: Ein sattes Plus von 18,9 Prozent (+5,63 Mio. Visits) unterstreicht die Relevanz.

Fans kommen nicht aus Langeweile, sondern aus Notwendigkeit. Weil sie Informationen brauchen, vergleichen wollen, verstehen möchten. Transfermarkt ist kein Medium für zwischendurch, sondern ein Werkzeug. Und Werkzeuge legt man nicht einfach weg.

Content mit einem klarem Gebrauchsnutzen ist vielleicht nicht glamourös, aber er ist gnadenlos effektiv. Loyalität entsteht dort, wo Abhängigkeit sinnvoll ist.

 

Kicker: Autorität ist keine Altlast, sondern ein Hebel

Kicker beweist, dass journalistische Autorität kein Auslaufmodell ist – solange man sie nicht für selbstverständlich hält. Die Marke steht für Expertise, Einordnung und Genauigkeit. Selbst auf diesem hohen Niveau wächst der Kicker im Jahresvergleich stabil weiter (+0,91 Mio. Visits / +1,7 %).

Hier wird nicht jedem Trend hinterhergehechelt. Stattdessen setzt Kicker auf das, was andere vernachlässigen: Vertrauen. Tiefe. Substanz. In einem Umfeld permanenter Reizüberflutung ist das kein romantischer Ansatz, sondern ein strategischer Vorteil.

Wer glaubwürdig ist, muss nicht schreien.

 

Erfolg ist kein Mysterium – sondern eine Entscheidung

Doch der Erfolg beschränkt sich nicht nur auf die großen Namen. Der Blick auf den 12-Monats-Vergleich (Dezember 2025 vs. Dezember 2024) zeigt eine ganze Reihe weiterer Player, die Strategie in Wachstum verwandelt haben.

Hier sind die Top 10 der Gewinner in ihren jeweiligen Kategorien:

Die absoluten Überflieger (> 50 % Wachstum):

  1. Gold.de: +3,99 Mio. Visits (+103,3 %) – Der Spitzenreiter beweist: In unsicheren Zeiten suchen Menschen Sicherheit.
  2. agrar heute: +3,48 Mio. Visits (+101,2 %)
  3. Emmi kocht einfach: +7,59 Mio. Visits (+97,5 %)
  4. Schwäbische: +10,16 Mio. Visits (+93,5 %)
  5. Business Insider: +4,40 Mio. Visits (+93,4 %)
  6. msn: +14,20 Mio. Visits (+73,4 %)
  7. Tagesspiegel: +15,89 Mio. Visits (+70,8 %)
  8. SWR: +7,68 Mio. Visits (+67,9 %)
  9. Stuttgarter Zeitung: +3,19 Mio. Visits (+62,1 %)
  10. Nordkurier: +4,54 Mio. Visits (+51,6 %)

Sport & Special Interest:

  1. sport.de: +4,72 Mio. Visits (+41,5 %)
  2. Promiflash: +2,28 Mio. Visits (+38,2 %)
  3. kino.de: +2,21 Mio. Visits (+31,2 %)
  4. wetter.de: +1,59 Mio. Visits (+20,7 %)
  5. spox: +1,36 Mio. Visits (+20,0 %)
  6. GameStar: +2,58 Mio. Visits (+18,3 %)
  7. PC-Welt: +0,66 Mio. Visits (+10,2 %)
  8. mydealz: +2,05 Mio. Visits (+9,5 %)
  9. Fussballtransfers: +0,49 Mio. Visits (+7,3 %)
  10. fernsehserien.de: +0,54 Mio. Visits (+7,0 %)

Nachrichten & Regionale Relevanz:

  1. Hamburger Abendblatt: +3,00 Mio. Visits (+39,9 %)
  2. Abendzeitung: +2,07 Mio. Visits (+36,9 %)
  3. Sächsische.de: +1,48 Mio. Visits (+27,5 %)
  4. Augsburger Allgemeine: +2,32 Mio. Visits (+22,3 %)
  5. Handelsblatt: +2,17 Mio. Visits (+18,3 %)
  6. Neue Westfälische: +1,10 Mio. Visits (+17,5 %)
  7. HNA: +2,73 Mio. Visits (+15,2 %)
  8. Rheinische Post: +1,49 Mio. Visits (+11,2 %)
  9. Deutschlandfunk: +0,73 Mio. Visits (+9,6 %)
  10. Hamburger Morgenpost: +1,06 Mio. Visits (+8,3 %)

 

Erfolg ist kein Mysterium – sondern eine Entscheidung

Sport1, Welt, Merkur.de, Transfermarkt und Kicker eint kein gemeinsames Themenfeld, sondern eine gemeinsame Haltung: Sie kennen ihre Stärken und spielen sie kompromisslos aus. Sie reagieren nicht panisch auf Marktschwankungen, sondern arbeiten mit klaren Strategien.

Relevanz schlägt Reichweiten-Tricks. Fokus schlägt Aktionismus. Und Strategie schlägt Glück – jedes einzelne Mal.

Die Frage ist also nicht, warum der Markt schwächelt.

Die Frage ist, wer ihn wirklich verstanden hat.

Zum Meedia Ranking: Darts-WM katapultiert Sport1 nach oben & Welt wächst gegen den Trend